Postsocialism as Method: Anti-Geographies of Collective Desires
D’EST Zyklus #2. Künstlerische Formen der Erinnerung an der Schnittstelle zwischen postsozialistischen, queer-feministischen und dekolonialen Erzählungen und Vorstellungswelten
9,99 € – 24,99 €
„Das Queere an den Postsozialismen, in unseren Augen, besteht darin, dass sie von politischen Sehnsüchten angetrieben werden, die nicht darauf abzielen, die kapitalistische Realität zu reproduzieren […]. Wir wissen vielleicht noch gar nicht, wohin diese radikalen politischen Sehnsüchte führen. Dies ist Teil ihrer Queerness.“ Neda Atanasoski und Kalindi Vora (übers. von den Herausgebenden, 2020)
Postsozialismus als Methode. Anti-Geografien kollektiver Sehnsüchte lautet der Titel des zweiten Zyklus kollektiv erarbeiteter Forschungs- und Programmarbeit der nomadischen Plattform und des Online-Archivs für Videokunst, Experimental- und Dokumentarfilm D’EST. Die Plattform kartografiert künstlerische Formen der Erinnerung an der Schnittstelle zwischen postsozialistischen, queer-feministischen und dekolonialen Erzählungen und Imaginarien.
Dieses Bundle aus fünf Zines dokumentiert und erweitert die Konstellation aus kuratierten Videokunst-Kapiteln, einem nomadischen Kinoformat sowie experimentellen, performativen Publikationspraktiken, die seit 2023 von den Kollektiven Krёlex zentre, Nhà Sàn Collective und Fehras Publishing Practices gemeinsam mit Ulrike Gerhardt und Suza Husse von D’EST entwickelt wurden. Entlang klebriger Zeitachsen und diasporischer Geografien verbinden sie politische Begehren und kollektive Lebenswelten aus unterschiedlichen Post/Sozialismen in Zentralasien, Vietnam, dem östlichen Mittelmeerraum, Nordafrika und Südwestasien, Deutschland, Europa und den USA.
حاضر حلال Hader Halal [With Regards To Presence]
Hader Halal versammelt Texte rund um die Literaturzeitschrift „Lotus: Afro-Asian Writings“, die von 1968 bis Ende der 1990er-Jahre von der Afro-Asian Writers Association herausgegeben wurde und darauf abzielte, afro-asiatische Solidarität und antikoloniale Politik durch Literatur und Kultur zu fördern. Fehras Publishing Practices initiierte kollektive Fabulationen als Reaktion auf ihre Lotus-Sammlung und insbesondere auf Texte aus Palästina sowie Texte in Solidarität mit Palästina, um die Notwendigkeit des „Publizierens als solidarische Praxis“ zu ergründen und die Vernetzung von Hoffnungen, Befreiungskämpfen und Widerstand über verschiedene Regionen hinweg widerzuspiegeln.
Herausgegeben von Fehras Publishing Practices. Beiträge von Aaron Ahalu, Anna Ehrenstein, DNA (Blair & Clint Opara), Farkhondeh Shahroudi, Fehras Publishing Practices, Iskandar Abdalla, Jyl Franzbecker, Moonis Ahmad, Promona Sengupta, Rebecca Pokua Korang, Shaunak Mahbubani, Shrujana N. Shridhar und Vidisha-Fadescha, 40 Seiten
Postsocialist Time Slips
Das in Almaty und Wien ansässige Krёlex zentre ist eine imaginäre Para-Institution, die queere Kosmopolitik, spekulatives Welten-Entwerfen, inklusive diasporische Ästhetiken und translokale kulturelle Praktiken miteinander verbindet. Das Videokunst-Kapitel Postsocialist Time Slips von Krёlex zentre untersucht translokale queere Vorstellungswelten aus Zentralasien und fragt, wie Erfahrungen von Verlust, Schweigen, Terror, Widerstand, Mitgefühl und Liebe zu zeitlichen und politischen Verschiebungen führen können.
Herausgegeben von Krёlex zentre. Beiträge von Dilda Ramazan, Ulrike Gerhardt & Krёlex zentre, 16 Seiten
The Hometown Sky is as Blue as a Song
Anhand von zusammengestellten Briefen, grafischen Interventionen, überlagerten Videostills, Film- und Performance-Skripten vermittelt das Zine einen Strom von Liedern über Sehnsucht, Nostalgie, Sex, Tod, Humor und Chaos, der durch das D’EST Kapitel des Nhà Sàn Collective fließt. Ihre Auswahl an Bewegtbildarbeiten, die queere Vorstellungswelten und Klangwelten widerspiegeln, reflektiert Erfahrungen aus einer Ära der sozialistisch orientierten Marktwirtschaft, der Monetarisierung und Spiritualisierung, der Globalisierung und Lokalisierung in Vietnam sowie vietnamesisch diasporischen Gemeinschaften in den 1990er-Jahren.
Herausgegeben von Nhà Sàn Collective. Beiträge von Nguyễn Văn Song, Nguyễn Duy Anh, Síu Phạm, Nguyen Tan Hoang, Vu T. Thu Ha, Quynh Dong, 16 Seiten
Shut Up White Boy
Dieses Zine würdigt den Kultfilm Shut Up White Boy aus dem Jahr 2002 unter der Regie von Vũ T. Thu Hà, welcher von einer Gruppe queerer asiatisch-amerikanischer Frauen, lesbischer Künstler:innen und Punkrock-Musiker:innen gemeinsam geschrieben, produziert und aufgeführt wurde. Der Film zeigt einen rassistisch geprägten Albtraum, in dem Träume wahr werden – voller Rache, Begierde, Lust und Spaß. Zusammen mit Bildern aus Schlüsselszenen des 16 mm Schwarz-Weiß-Zelluloidfilms entfaltet das Zine einen Dialog zwischen zwei Mitgestalter:innen des Films sowie Künstler:innen und Forscher:innen anlässlich des D’EST-Kapitels The Hometown Sky is as Blue as a Song des Nhà Sàn Collective.
Herausgegeben von Nhà Sàn Collective und Suza Husse. Beiträge von Leslie Shih Shu Mah, Vu T. Thu Ha, Nguyen Quoc Thanh und Suza Husse, 24 Seiten
Postsozialismus als Methode. Anti-Geografien kollektiver Begehren. Ciné Moon Mobile
Dieses einführende Doppelzine begleitet den D’EST Zyklus #2 im Schloss Biesdorf und am Flutgraben e.V. (Sommer–Winter 2023). Umschlag und Inlay sind ein eigenes Zine von Suza Husse und Ulrike Gerhardt, sie stellen die Ideen, Kollektivitäten, Anti-Geografien sowie künstlerischen und kuratorischen Praxen vor, die den D’EST Zyklus #2 prägen. Das Hauptzine konzentriert sich auf das Ciné Moon Mobile, eine nomadische performative Architektur, die Aziza Kadyri und Kim Bode im Austausch mit Husse, Gerhardt und den Umwelten des D’EST Zyklus in Ostberlin eigens entwickelten. Bodes Beitrag verdeutlicht die konzeptuelle und methodische Beziehung des Ciné Moon Mobiles zu sowjetischen Kinobussen, die in den 1960er-Jahren durch die UdSSR, das ehemalige Jugoslawien und Afrika fuhren. In diesem Vehikel verwebt Kadyri ihre Auseinandersetzung mit Suzani Stickerei, einer zentralasiatischen Kunstform, die mit unsichtbar gemachter weiblicher Arbeit und generationsübergreifender Wissensvermittlung verbunden ist. Karolina Majewska-Güde und Gal Kirn vertiefen die historischen und künstlerisch-methodischen Resonanzen des Ciné Moon Mobile mit Blick auf dekoloniale und archivarische Perspektiven in der feministischen Kunstgeschichte (Majewska-Güde) und in der Geschichte der revolutionären Cinefizierung (Kirn).
Herausgegeben von Suza Husse, Ulrike Gerhardt. Beiträge von Aziza Kadyri, Gal Kirn, Karolina Majewska-Güde, Kim Bode, Suza Husse, Ulrike Gerhardt
24 Seiten
Ulrike Gerhardt
Ulrike Gerhardt (Dr.’in) ist eine Kunst- und Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, die sich u. a. mit künstlerischer Forschung zu versehrten Ökologien, Postsozialismen und (nicht-)menschlichen Verletzlichkeiten sowie mit Ansätzen einer inklusiven, erinnerungspolitischen und postdigitalen kulturellen Bildung auseinandersetzt. Gemeinsam mit Suza Husse ist sie seit 2016 Co-Leiterin der Videokunstplattform D’EST und setzt sich dafür ein, die dort verknüpften Videoarbeiten in immer neue Kontexte zu überführen. Zuletzt veröffentlichte sie das Workbook Von der Ko-Konstruktion zur Ko-Kreation (hrsg. mit Michaela Kaiser/Marion Seiler, kopaed, 2026) sowie die Monografie Ostfuturistisches Erinnern (De Gruyter Brill, 2024). Seit dem SoSe 2026 verwaltet sie die Professur Kunstdidaktik und Inklusion an der HBK Braunschweig. www.ulegerhardt.de
Nhà Sàn Collective
Das Nhà Sàn Collective (NSC) nahm 2013 seine Tätigkeit als unabhängiges Künstlerkollektiv auf. Der Name „Nhà Sàn“ steht für die Wurzeln des Kollektivs, die im Geist des „Nhà Sàn Studio“ liegen, einem 1998 in Hanoi gegründeten, von Künstlern geführten Raum. Unabhängig davon, ob es über einen physischen Standort verfügt oder nicht, hat das NSC gemeinsam mit Freund:innen, Kolleg:innen und Partner:innen Ausstellungen, Workshops, Filmvorführungen, Vorträge und andere Aktivitäten organisiert, um als Unterstützungsplattform für Künstler:innen in der Community zu fungieren. Zu den langjährigen Serienprojekten des Kollektivs zählen Skylines With Flying People, das IN:ACT Performance Art Festival und das Emerging Artists Programme. Im Jahr 2022 nahmen das NSC und Freund:innen an der von Ruangrupa kuratierten Documenta 15 teil. https://nhasan.org/
Krёlex zentre
Krёlex zentre ist eine paranormale Institution (Parastitution), die erstmals 2012 zwischen Almaty und Bischkek in Erscheinung trat. Als nomadisches Kunstprojekt im Genre der Fake-Institutionen baut es auf den kulturellen Traditionen vermischter irdischer Diasporas, deren inklusiver Ästhetik und queerer Kosmopolitik auf. Unter dem Deckmantel der zeitgenössischen Kunst widmet sich Krëlex zentre der xenografischen Erforschung neu entstehender Lebensformen, die im Zuge von Umsiedlungen entstehen, wo kulturelle Produktionsfelder schwach sind und erheblichen Störungen ausgesetzt sind. Es handelt im Namen imaginärer Gemeinschaften, die es noch nicht gibt, die von offiziellen Aufzeichnungen übersehen werden und nur teilweise existieren – in den Grenzgebieten zwischen dem Realen und dem Imaginären. https://kreolex.center/
Fehras Publishing Practices
Fehras Publishing Practices ist ein multidisziplinäres Kollektiv von Kulturschaffenden, das emotionales Kapital, die Weisheit der Großmütter sowie das Bekenntnis zu ihren Vorfahren und Mitstreiter:innen hochhält. An der Schnittstelle von Archivarbeit, Performance und Szenografie betrachte sie kulturelle Organisation als Mittel, Hegemonie zu hinterfragen und horizontale sowie vertikale Solidaritäten zu pflegen. Fehras untersucht die vielschichtigen Verflechtungen vergangener und fortbestehender kultureller Produktion im Zusammenhang mit der Geschichtsschreibung in Südwestasien, Nordafrika und deren diasporischen Ausläufern. Dabei stützt es sich auf das Erbe verkörperter Praxis und die transformativen Bemühungen antikolonialer Befreiungsbewegungen. Die Mitwirkenden von Fehras an diesem Projekt sind Nancy Naser Al Deen, Sama Ahmadi und Sami Rustom. https://www.fehraspublishingpractices.org
D’EST
D’EST ist eine nomadische Plattform und ein Online-Archiv für Videokunst, Experimental- und Dokumentarfilm, das künstlerische Formen des Erinnerns an der Schnittstelle zwischen postsozialistischen, queere-feministischen und dekolonialen Narrativen und Vorstellungswelten kartografiert. Es wird seit 2016 von district*school without center in Zusammenarbeit mit internationalen Kurator:innen, Künstler:innen, Kulturschaffenden, Forscher:innen und Aktivist:innen betrieben. Der D’EST Zyklus #1, Former „East“, Former „West“ (2016–2022) untersuchte den Postsozialismus aus feministischen und transterritorialen Perspektiven und eröffnete transnationale Denkansätze über die ehemaligen Ost-West-Grenzen hinweg. Der D’EST Zyklus #2 Postsocialism as a Method: Anti-Geographies of Collective Desires (seit 2023) untersucht das Erbe globaler und postmigrantischer Sozialismen, inspiriert von der Forderung nach pluralistischen sozialistischen Vergangenheiten. https://d-est.com/
Suza Husse
Suza Husse ist Forscher:in, Poet:in, Schwimmer:in und Kulturarbeiter:in. Sie arbeiten kollaborativ und undiszipliniert an den Schnittstellen von queerer Ökologie und antikolonialen Kulturen. Mit dem wandernden Kunstraum district*schule ohne zentrum und dem Kollektiv The Many Headed Hydra initiiert Suza gemeinsam mit Vielen performative, verwurzelte und spekulative Praktiken, die unterschiedliche Welten und Wissen miteinander verbinden. Seit 2016 co-programmieren sie die nomadische Plattform und das Online-Archiv für postsozialistische feministische Videokunst D’EST. Seit 2024 kuratieren sie die transdisziplinäre Kunst- und Forschungsplattform Sensing Peat bei der Michael Succow Stiftung. Von 2017 bis 2018 hatten sie eine Gastprofessur für interdisziplinäre künstlerische Forschung an der Universität der Künste Berlin inne.
https://district-berlin.com; https://www.sensingpeat.net/
Hg.: D’EST, Fehras Publishing Practices, Krёlex zentre, Nhà Sàn Collective, Suza Husse, Ulrike Gerhardt
Text: Aaron Ahalu, Anna Ehrenstein, Aziza Kadyri, Dilda Ramazan, DNA (Blair & Clint Opara), Farkhondeh Shahroudi, Fehras Publishing Practices, Gal Kirn, Iskandar Abdalla, Jyl Franzbecker, Karolina Majewska-Güde, Kim Bode, Krёlex zentre, Leslie Shih Shu Mah, Moonis Ahmad, Nhà Sàn Collective, Nguyễn Duy Anh, Nguyen Quoc Thanh, Nguyen Tan Hoang, Nguyễn Văn Song, Promona Sengupta, Quynh Dong, Rebecca Pokua Korang, Shaunak Mahbubani, Shrujana N. Shridhar, Síu Phạm, Suza Husse, Ulrike Gerhardt, Vidisha-Fadescha, Vu T. Thu Ha
Bilder: Aziza Ahmad, Aziza Kadyri, Collection Satish Kalsekar, Dalit Panther Archive, Farkhondeh Sharhoudi, Fehras Publishing Practices, Hanif Shoaei, Kim Bode, Laura Leppert, Lotus: Afro-Asian Writings, Mika Schwarz, Moonis Ahmad, Mounir Canaan, Nguyễn Quốc Thành, Nguyễn Duy Anh, Nguyen Tan Hoang, Quynh Dong, Phan Đông Thái, Sadhna Magazine, Sami Rustom, Shrujana N Shridhar, Síu Phạm, Suza Husse, The Albanian Conference (Anna Ehrenstein, Vidisha-Fadescha, DNA (Blair & Clint Opara), Rebecca Pokua Korang, Shaunak Mahbubani, Aaron Ahalu), Vu T. Thu Ha
Lektorat: D’EST
Design: Aziza Ahmad und Suza Husse nach einem Entwurf von Elsa Westreicher für „wildes wiederholen. material von unten“
Englisch
122 Seiten, 60 Abbildungen, Pdf
ISBN 978-3-947295-71-5
9,99 Euro
Bundle (Buch & E-Book)
Broschur
ISBN 978-3-947295-82-1
24,99 Euro
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