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Marx-Engels-Forum – JA!

Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt #3. Zur Geschichte des Marx-Engels-Forums

128 Seiten, zahlr. Abbildungen

März 2018

ISBN: 978-3-947295-03-6

berlinerhefte.de

3,99 EUR

Gedruckt erhältlich bei / printed available at: Book People Places

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Deutsch

Am 4. April 2016 trafen sich rund 40 Personen anlässlich des 30-jährigen Gedenkens an die Errichtung des Marx-Engels-Forums in Berlin-Mitte. Die meisten von ihnen waren auch schon 1986 bei dessen Einweihung anwesend – gelebte Geschichte an einem Ort, dem immer wieder seine Bedeutung abgesprochen wird.

In den 1950er/60er Jahren wurde die Fläche für ein Hochhaus der DDR-Regierung freigehalten, das nie gebaut wurde. Die Planung des Marx-Engels-Forums in seiner parkähnlichen Form begann 1973. Nach 1989 wurde der Ort zunächst ohne Veränderungen hingenommen, vielleicht gar vergessen.

Heute stehen sich zwei Lager gegenüber: Auf der einen Seite die ‚Historischen’ mit ihrem Bestreben einer parzellengenauen Rekonstruktion des mittelalterlichen Stadtgrundrisses. So als wären sie vom Schlossbaufieber angesteckt, das sich am gegenüberliegenden Spreeufer ausbreitet. Auf der anderen Seite die ‚Modernen’, welche die architektonischen und städtebaulichen Zeugnisse der DDR-Moderne bewahren und weiterentwickeln wollen.

Das Marx-Engels-Forum ist ein Erinnerungsort par excellence zwischen Fernsehturm und zukünftigem Humboldt-Forum. Seit 2010 durch die Baumaßnahmen für die U-Bahnlinie 5 kaum zugänglich, soll dieser ab 2019 als städtischer Grünraum aufgewertet werden.

Die Geschichte des Ortes und seine wiederholten Neuverhandlungen, auch im Rahmen des Beteiligungsverfahrens von 2015, werden in diesem Heft zeichnerisch zur Diskussion gestellt: Wie lässt sich ein offenes Gelände – JA, genau darum geht es – an dieser zentralen Stelle erhalten und mit dem Ziel einer ständig wechselnden Nutzung gestalten?

Um die Freiheit in der Aneignung des Forums zu ermöglichen, müsste sie in der Gestaltung des öffentlichen Raumes eingeschrieben sein. Was liegt da näher, als den Stadtraum ausgehend von der Kunst über die physische Präsenz verschiedener skulpturaler Setzungen zu entwickeln. Schließlich waren die Skulpturen zuerst da – nicht nur Marx und Engels!

 
Leseprobe (pdf):


 

English

Marx Engels Forum – YES!

On 4 April 2016, around forty people gathered to commemorate the 30th anniversary of the founding of the Marx Engels Forum in Berlin Mitte. Most of them had attended the site’s dedication in 1986—the lived history of a place whose meaning has consistently been denied.

In the 1950s and 60s the site was earmarked for a high-rise tower for the East German government yet this never materialized. Then in 1973 plans were laid—and ultimately realized—for a forum in the form of a public park. After 1989 the park remained unchanged or possibly was even forgotten.

Today, there are two opposing camps: on the one hand those who advocate an exact reconstruction of the city’s ground plan as it looked here in medieval times—almost as if the historicism driving the reconstruction of the palace on the far bank of the Spree has proved contagious; and on the other, the ‘modernists,’ who are committed to preserving and further developing the last vestiges of East German Modernist architecture and urban planning.

Located as it is between the television tower and the future Humboldt Forum, the Marx Engels Forum is a place of commemoration par excellence. It has been closed to the public since 2010 owing to work to extend the subway line U5, but is set to enjoy a new lease of life as an urban recreation zone by 2019. This publication illustrates and puts up for debate both the history of the site and the recurrent negotiations regarding its use, including those of 2015 in which the public was invited to participate. How might an open space—since, YES, that’s what is all about—be preserved at a prime downtown location and configured such as to accommodate continually changing uses?

If freedom is to be a feature of the appropriation of the forum then freedom must be inscribed in the very design of this urban public space, from its inception. And what better solution therefore, than to base its development on the physical presence of various sculptural ensembles? After all, the sculptures were there first—and not only those of Marx and Engels!

Erik Göngrich

Deutsch

Erik Göngrich ist als Künstler, Architekt und Verleger im öffentlichen Raum, in Ausstellungen und mit Publikationen tätig. In seinen Skulpturen, Installationen, Büchern, Spaziergängen, Zeichnungen und Fotografien stellt er aktiv die Nutzung und Geschichte stadträumlicher und stadtpolitischer Zusammenhänge in Frage.

Er wirft einen skulpturalen Blick auf die informellen Qualitäten des Öffentlichen, ist ein leidenschaftlicher Reparateur der Moderne und ein aktiver Archivar der Transformationen des öffentlichen Raums. www.goengrich.de